Montag, 14. januar 2008

 

HINDUISM IN NEPAL (Satis Shroff, Freiburg)

 

Hinduismus ist das Ergebnis eines langwierigen Entwicklungsprozeßes. Hinduismus ist nicht nur eine Religion, sondern eine philosophische Weltanschauung und eine bestimmte Art zu leben. Hinduismus hat seinem Ursprung etwa 1000 v. Chr. Es war die Religion der nach Indien eingewanderten arischen Stämme. Diese arische Eroberung Indiens vollzog sich über viele Jahrhunderte. Im Verlauf der Zeit kam es zu einer allmählichen Verschmelzung der arischer Mythologie und Geisteswelt mit der der Einheimischen.

 

Naturverehrung ist bei den Hindus und Buddhisten Nepals und Indiens weitverbreitet. Hügel, Flüsse und Seen, Pflanzen und Bäume werden als Wohnsitz der Gottheiten, als günstig für Meditation betrachtet. Zahllose solcher Orte gibt es in Nepal, und ihre Heiligkeit wird täglich durch Rituale verstärkt. Als besonders heilig gelten Flußquellen und Einmündungen von Nebenflüssen. Sonnenstand und Mondphasen werden vergöttlicht, und den Gottheiten sind Tierinkarnationen zugeordnet. Der Unterschied zwischen Menschen und Tieren, belebter und unbelebter Natur wird als graduell und nicht wesensmäßig angesehen.

 

Die Quellen des früheren Hinduismus sind die Veden, eines der ersten literarischen Werke der Menschheit überhaupt. Die Veden1 sind in vier verschiedene Veda unterteilt:

1. Rigveda: Der Veda der Verse, das Wissen von den Lobeshymnen, der göttlichen Offenbarung.

2. Samaveda: Der Veda der Lieder, das Wissen von den Gesängen.

3. Yadshurveda: Der Veda der Opfersprüche, das Wissen von den Opferformeln.

4. Atharveda: Der Veda des Atharvan, das Wissen von den magischen Formeln.

 

Den vier Veden-Sammlungen folgen:

Brahmanas: Ritualistische Bücher in alter Sanskritprosa mit Erläuterungen über das Opfer; sie sind sehr wichtig für die Geschichte des Opferwesens.

Aranyakas: "Waldbücher", weil sie wegen ihres geheimnisvollen Inhalts in der Stille der Wälder gelernt und erwogen werden sollten.

Upanishads: Enthalten die in vertraulichen "Sitzungen" dem Schüler übermittelte Geheimlehren über Gott, Natur und Mensch. Das ist der Vedanta, der "Abschluß und Inbegriff des geschauten göttlichen Wissens". Diese spätvedische Literatur von riesigem Umfang enthält Bestandteile aus frühester Zeit und wuchs, bis sie um 500 v. Chr. einen gewissen Abschluß erlangste.

 

Die Bhagavadgita: Gehört zu der umfangreichen epischen Literatur, die aus den Epen Mahabharata und Ramayana besteht. Genauer gesagt ist sie ein Teil des Epos Mahabharata und umfaßt in dessen sechstem Buch (Parvan) die Kapitel 25 bis 42. Sie besteht also aus 18 Kapiteln (Gesängen), wie denn auch das ganze Epos 18 Bücher hat. Gerade das Mahabharata weist nun neben der eigentlichen Handlung zahlreiche Einschübe von Legenden, Episoden und didaktischen Stücken auf.

 

Die vedische Religion kannte keine Kultbilder. Im Zentrum stand das kultische Opfer, das ein außerordentlich kompliziertes Ritual hatte, das von Brahmanen ausgeführt wurde, die auch die Veden mündlich tradierten. Später wurde das kultische Opfer als zentrales religiöses Ereignis durch eine Puja2 ersetzt; die Verehrung der Bildnisse von Göttern.

 

Die Künste entstammen dem Ritual, das eine Mitte schafft, Energie bündelt, negative Kräfte austreibt und Übergangsriten feiert. Aus Beschwörungen entstehen Gesten, aus den Gesten das Opfergerät. Deren Form und Zusammenstellung schaffen das rituelle Kunstwerk. Die Ausrichtung des geweihten Raumes verlangt nach Tempel und Yantra, nach dem Mittelpunkt, dem abstrakten Symbol oder dem Bildwerk als Verkörperung göttlicher Kraft. Geopfert wird nur das Feinste und Reinste. Die Blüte der Morgendämmerung, ihr Duft, blutrotes Quecksilberoxyd, schneeweißer Kampfer, kühle Sandelpaste, Getreide und Kräuter der Jahreszeit, dem Zeitpunkt3 im zyklischen Leben der Gottheit entsprechend. Als Gegengabe bekommt der Gläubige prasad4 : eine Blüte, eine Farbmarkierung auf die Stirn und ein wenig von den Opfergaben (auch Süßigkeiten und amrit) , die dem Gott gereicht wurden.

 

Es wurde ein Trias der drei höchsten Götter aufgestellt, Brahma, Vishnu und Shiva5. Dabei erhielt Brahma die Funktion des absoluten Schöpfers des Universums, Vishnu die des Erhalters und Shiva die des Zerstörers zugewiesen. Die Dreieinigkeit Trimurti (Brahma, Vishnu und Shiva) des Hinduismus sind die Teile eines größeren Ganzen, für das die Hindus die heilige Silbe Om6 kennen und ihr als dem „höchsten Halt“ auch magische Kraft zusprechen. Die Relation des menschlichen Bewußtseins gegenüber dem göttlichen Prinzip im Universum wird auf diese Weise als Eingeständnis der menschlichen Unzulänglichkeit zum Ausdruck gebracht.

 

Nicht-arischen Ursprungs ist die Verehrung eines weiblichen Prinzips, des Shaktismus. Er entwickelte sich aus einem Kult um die "Große Mutter" und wurde dem Hinduismus beigefügt, indem jedem Gott eine weibliche Entsprechung assoziiert wurde, unter der Annahme, daß der Gott nur dann wirklich seine Kraft aktivieren könne, wenn er mit einer weiblichen Gottheit vereint sei. Die Muttergottheit wurde als Uma7 zur Frau Shivas (bzw. Rudra) gemacht, der als Umapati, als Herr Umas, bezeichnet wurde. Hinter dem Shaktismus steht die Samkhya-Philosophie, für die der große Gott als Purusha immer aktiv bleibt, während die große Göttin als Vertreterin des Prakriti-(Natur) Elements dynamische Aktivität besitzt. Im Volksglauben erscheint die große Muttergottheit vornehmlich als schrecklich. Wurden Tier- bzw. Menschenopfer dargebracht, so wurden diese niemals den Göttern, sondern immer der "Großen Mutter" dargebracht. Als Beispiel kann man Dakshinkali (Kali des Südens) nennen, die zu den beliebtesten Göttinnen des Katmandutales gehört. Sie wird heute noch mit einem blutigen Tieropfer verehrt.

 

Die Göttin Kali soll während der Schlacht gegen die Dämonen der Stirn Durgas entsprungen sein. Kali, die schreckliche Form der großen Göttin, erscheint als Zauberin, als Mutter, als Zerstörerin. Sie erweckt Erfurcht und Liebe. Sie ist von gräßlichen Symbolen umgeben, die jedoch doppelte Bedeutung haben.

 

Kali ( sfnL ) ist das Symbol der kosmischen Kraft der Zeit (kala sfn), und in dieser Hinsicht bedeutet sie Vernichtung. Der Tod trägt aber den Keim des Lebens in sich. Kali verkörpert Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung. Sie wird schwarz dargestellt, denn "„ie alle farben im Schwarz verschwinden, so vergehen auch alle Namen und Formen in Ihr"(Mahanirvana Tantra8). Im tantrischen Ritual ist sie mit Raum bekleidet (digambari). Nackt ist sie frei von allen Schleiern der Illusion. Ihr zersaustes Haar ist ein Vorhang des Todes, der das Leben mit Geheimnis umgibt. Der Kranz aus fünfzig Schädeln, die für die fünfzig Buchstaben des Sanskritalphabets stehen, ist ein Symbol der Kraft des Wissens. Die Buchstaben sind keimhafte Klangschwingungen, die auf die Kraft der mantras verweisen. Sie trägt einen „Gürtel aus menschlichen Händen“, die auf die Wirkung des Karma, der angehäuften Taten, hindeuten und den Betrachter erinnern, daß die höchste Freiheit von seinem Handeln abhängt. Kalis drei Manifestationen herrschen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ihre weiße Zähne sind ein Sinnbild des Sattva9, der lichten Geistsubstanz, pressen die rote Zunge nieder, Sinnbild von Rajas, einer fest umrissenen Seinsebene, die hinunter führt zu Tamas, zur Trägheit. Kali hat vier Hände: eine linke hand hält einen abgetrennten Kopf, ein Hinweis auf die Zerstörung dunkler Kräfte, die andere das Schwert der Vernichtung, mit der sie das Verhaftetsein durchschneidet. Ihre beiden rechten Hände zerstreuen Furcht und mahnen zu spiritueller Stärke. Sie ist die grenzenlose Urkraft (adya-shakti), die den nichtmanifestierten, passiven Shiva zu ihren Füßen erweckt.

 

Die Samkhya Philosophie: 1. Natur 2. Geist 3. Seele: Nach der Samkhya-Schule gibt es ein doppeltes ewiges Sein, die Vielheit der Seelen und der Körper (Stoff). Die Samkhya-Philosophie hat einen Dualismus von Natur und Geist, und diese zwei gelten als anfangslos und ewig. Bestimmte Richtungen des Samkhya kommen somit ohne einen Gott aus. Die Seele ist erlöst, wenn sie ihre Verschiedenheit vom Körper erkennt. Die Seele umkleidet sich ja nur mit den einzelnen Körpern, ohne mit ihnen eins zu werden. Die Erkenntnis von der Geistigkeit der Seele befreit von der Verstrickung und bringt die Erlösung.

 

Andere Samkhya Richtungen amalgamieren sich dagegen mit dem Theismus bzw. Pantheismus (der die Welt zum Absoluten erhebt; das All wird Gott). Danach hat Gott zwei Naturen (Prakriti), eine niedere und eine höhere Natur:

 

Die niedere Natur besteht aus fünf Elementen: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther, sowie aus feinmateriellen Faktoren: Geist, Bewußtsein und Individualisator. Die höhere Natur ist die Seele (Jiva). Nach der Samkhyavorstellung kann nur der Körper zerstört werden. Die Seele gilt für unzerstörbar, ewig, ungeboren, nicht verschwindend, alldurchdringend, nicht wandelnd, von alters her bestehend, nicht offenkundig, undenkbar und unwandelbar. Die Seele wechselt den Körper wie dieser die Kleider.

 

Theopanismus und Devotionalen Hinduismus: Man unterscheidet heute zwischen Pantheismus, der die Welt zum Absoluten erhebt – das All wird Gott -, und Theopanismus10, der umgekehrt aus dem ursprünglichen Geistig-Realen das Niedere hervorgehen läßt. Gott wird das All. In den alten Upanishads tritt sie klar zu Tage. Sie verkünden, oft in gehobener Sprache und in trefflichen Gleichnissen, daß das unpersönliche Sein (das Brahma), eins ist mit dem Atman, dem inneren geistigen Selbst des Menschen. Es entfaltet sich zur Welt. Die Erkenntnis der Einheit von Brahman und Atman bedeutet Erlösung und Glück.

 

Der kürzeste Weg zum Heil (Vereinigung mit Gott) ist durch Bhakti in devotionalen Hinduismus, die hingebungsvolle Liebe zu Gott durch Meditation. Dafür braucht man aber das rechte Wissen d.h. Jyana. Die Bhakti-Idee hat auf das hinduistische Geistesleben bis in die Gegenwart hinein den großten Einfluß ausgeübt. Sie ist sogar in den philosophisch völlig anders strukturierten älteren Buddhismus eingedrungen und hat ihn tiefgreifend verändert. Meditation und Abkehr von weltlichem Verlangen sind für die Vereinigung mit der Gottheit auch von Bedeutung.

 

Was verspricht Krishna denjenigen die ihm Bhakti entgegenbringen? Krishna verspricht seinen Anhängern Begreiung von Sündenlast, Kummerlosigkeit, Herzensfriede und Zugang zu ihm selbst (IX, 30-31.34). In XI.55 kann man die Quintessenz des ganzen Werkes sehen: Wer Krishna ehrt und liebt, der gelangt dereinst zu ihm.

 

Die Seele und die Seelenwanderung: Die Seele, von einem feinstofflichen Leib umgeben, wandert nach dem Tod in ein anderes Lebewesen, einen Gott, einen Menschen höherer oder niederer Kaste, ein Tier, eine Pflanze. Bestimmend ist das Karma, die Summe der guten und bösen Taten beim Abschluß des vergangenen Lebens, die sich dem feinstofflichen Leib eingeprägt und ihn zu einem entsprechenden neuen Dasein zwingt. Erst wenn kein Karma mehr übrig bleibt, erreicht der Kreislauf des Lebens (Sansara11) ein Ende in der Erlösung, dem Nirvana. Karma ist auch das Gesetz von Ursache und Wirkung. Die Seelenwanderung ist das Gemeingut der Hindus und hat seinen Ursprung in den urindischen animistischen Vorstellungen. Im übrigen glaubten auch die Christen bis zum Jahr 554 n. Chr. an die Wiedergeburt. Sie wurde durch einen hauchdünnen Mehrheitsbeschluß beim Akklamationskonzil zu Konstantinopel abgeschafft.

 

Der Körper ist der vorübergehende "Tempel der Seele" und wird nach dem Tod verbrannt. Die Hinterbliebenen helfen der Seele durch langwährende Rituale, zur Ruhe zu kommen. Für den Nepalesen ist die ersehnte Form des Hinübergleitens vom Leben zum Tode ein Sterben auf den Treppenstufen des Pashupatinath Tempels, während er die Füße in das heilige Wasser taucht.

 

Die Seele wird nicht geboren, noch stirbt sie.

Dies Selbst hat nicht einen Ursprung, ihm ist

nichts entsprungen. Geburtlos, beständig, ewig

und von altersher wird dies Selbst nicht getötet,

wenn der Körper getötet wird.

KATHA UPANISHAD

 

Die ganze Spanne des Menschenlebens ist von jeweils angemessene Ritualen begleitet. Kunstvolle Riten sind mit der Zeit vor der Geburt, mit dem Gebären, dem Heranwachsen, der Reifezeit, der Hochzeit und dem häuslichen Leben verknüpft, mit Rückzug und Entsagung, schließlich mit dem Tod. Auf jeder Stufe der Entwicklung werden häusliche Rituale vollzogen, bis sich der Körper wieder in seine Bestandteile auflöst. Der Tod ist nicht das Ende des Individuums, sondern ein neuer Anfang in einem dynamischen Prozeß. Nach der Bhagavadgita ist der Tod wie ein Ersetzen alter Kleider durch neue. Deshalb ist das Bestattungsritual antyeshti ein Übergangsritus. Das Individuum entsteht, entwickelt sich, verschwindet und wird wiedergeboren. Der Verlauf des nächsten Lebens wird vom gegenwärtigen bestimmt. Bis die Befreiung erreicht ist, beeinflußt das gesamte karmische Handeln die Struktur des zukünftigen Daseins. Der Tod ist daher nur eine „Zwischenstation“.

 

In der Katha Upanishad12 stellt der junge Nachiketas dem Todesgott Yama Fragen. Der antwortet ihm und sagt, daß der Atman, das wahre Selbst und ein Funke Brahmans, des universellen Selbst, beim Tod des Körpers niemals stirbt. Er ist zeitlos und endlos. Die Totenrituale verweisen auf die Einheit des Lebens, geben einen Ausblick auf die ewige Wirklichkeit, das Brahman. Leiden und Tod wie auch das Verglühen dessen, was einst einen Mensch beherbergte, sind in Nepal ins tägliche Leben miteinbezogen.

 

Die Kastengesetze stellen Schranken zwischen die Lebenden, der Tod reißt sie nicht nieder. Die erste in der steinernen Reihe der Plattform längs des Bagmatiflußes ist für die Kremation von Mitgliedern des Königshauses bestimmt, die zweite einst für Maharajas, heute für die höchsten Würdenträger des Staates. Dann folgen in respektvollem Abstand die Verbrennungsplätze der übrigen Kasten.

 

1 Väth, Alfons: Die Inder, Herder Freiburg 1934 S. 12

2 Puja: Religiöse Verehrung jeder Art, die jemand mit oder ohne Priester einer Gottheit oder etwas Göttlichem darbringt. In Nepal noch heute von Männern und Frauen am frühen Morgen praktiziert.

3 Die Zeitpunkt im zyklischen Leben der Gottheit spielt eine wichtige Rolle. Zum Beispiel das Tanzfest für die Toten (Gai-jatra), fällt in die ausklingende Regenzeit (auf den Tag nach Vollmond. Familien, die im vergangenen jahr einen Todesfall erlitten, bauen eine symbolische Kuh, an der ein Foto des Verstorbenen hängt. Das heilige Tier soll der Seele den Weg weisen.

4 prasad: Segen in materieller Form

5 Shiva: Mahadeva, der Große Gott, der im Stirb-und-Werde des Weltenlaufes wirkt. Er zerstört, um eine neue Schöpfung zu erzeugen, in ewigem Wechsel. Er wird in vielen Aspekten, gnädigen und schrecklichen, und unter vielen Namen angerufen. Sein vahana ist der Stier Nandi, zugleich sein treuerster Diener.

6Om: das den Ersten Ursprung, den Dharmakaya, das Absolute symbolisiert, ist ein mächtiges schöpferisches Wort, das oft als die Summe aller Klänge im Universum aufgefaßt wird, möglicherweise als Symbol der Harmonie der Sphären“ –Blofeld, John: Mantra. Die Macht des heiligen Lautes, München 1988, S.66.

7 Uma: Name für Parvati, Tochter des Himalaya und der Mena. Gattin Shivas

8 Mookerjee, Ajit: Rituelle Kunst Indiens, Köselverlag Munchen 1987 S. 128.

9 Die drei Eigenschaften von Prakriti, der kosmischen Substanz, sind Sattva, Rajas und Tamas. Sattva ist die Qualität der Wahrheit, Tugend, Schönheit und Harmonie. Rajas ist die Qualität, die Stärke und Triebkraft beinhaltet. Tamas ist das, was Bewegung zurückhält, behindert und ihr wiedersteht. Quelle: Verma, Vinod: Ayurveda –der Weg des gesunden Lebens, Wilhelm Heyne Verlag München 1995 S. 267.

10 Väth, Alfons: Die Inder, Herder Verlagsbuchhandlung Freiburg 1934 S.18.

11 Sansara: Rad des Weltenlaufes und der menschlichen Wiedergeburten. Ziel der Erlösung ist es im Hinduismus und Buddhismus, sich aus dem unaufhörlichen Kreislauf zu befreien (moksha).

12 Mookerjee, Ajit: Rituelle Kunst Indiens, Köselverlag Munchen 1987 S. 143

von satisshroff
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Montag, 14. januar 2008
 

Der Buddhismus war ursprünglich eine philosophische Reformbewegung, eine von vielen, die aus der Krise der vedisch-brahmanischen Religion im 6. Jahrhundert v. Chr. resultierten. Der historische Buddha wurde um 563 v. Chr. in Lumbini, im Süden des heutigen Nepal, nahe der Stadt Kapilavastu, als Prinz Siddhartha geboren. Nach seinem Familiennamen Shakya wurde er später auch Buddha Shakyamuni genannt.Die Mutter Maya war eine Prinzessin aus dem Geschlecht der Koliya von Devadaha. Ihre Schwester Mahapajapati übernahm die Pflege des Kindes, da Maya eine Woche nach der Geburt starb.

 

Im Mahayana Buddhismus tragen auch göttliche Wesen, die sich nie in menschlichen Leibern verkörpern, den Namen Buddha. Sie werden als Transzendente Buddhas bezeichnet, früher war der Ausdruck Dhyani-Buddhas üblich. Sie stellen die geistigen Mächte dar, die die Welt regieren, Vairocana in der Mitte, Aksobhya im Osten, Ratnasambhava im Süden, Amitabha im Westen, Amogasiddhi im Norden. In Nepal zieren die Bilder dieser fünf Buddhas den Türsturz jedes buddhistischen Hauses.

 

Im Alter von neunundzwanzig Jahren verließ der Buddha eines Nachts heimlich seine Familie und den elterlichen Fürstenhof und zog sieben Jahre als Wanderasket umher. Unter dem Bodhi-Baum (Pappelfeigenbaum) in Bodh Gaya erlangte er die Erleuchtung, die Einsicht in das Wesen des Daseins und seiner Überwindung. Später erhielt er zahlreiche Ehrentitel, vor allem Shakyamuni (der Weise der Shakyas), Jina (Sieger) und Tathagata (der Vollendete, wörtlich der ‚So-Gegangene‘.

 

Der Buddhismus sucht nach der letzten Ursache von Sünde und Leid und entdeckt, daß es kein Selbst oder Ich gibt. Der Buddha verkündete keine neue Religion, im Gegenteil, seine Lehre vertrat eine atheistische Weltauffassung.

 

Die Vorzeichen eines Lebensweges: Buddhas Lehre ist nichts mehr als die Vorzeichnung eines Lebensweges. Über andere Fragen wie Gott, Seele und die Welt. Auskunft zu geben, erklärte er für nutzlos. Seine Ansichten darüber lassen sich aber aus seiner Lehre erkennen. Sie fußt auf Samkhya-Gedanken. Der Buddha bekennt sich zu einem vollständigen Atheismus und Akosmismus, d.h. er leugnet jedes substantielle Sein, Gott, Seele und die Welt. Es gibt nur ein Werden und Vergehen ohne wirkliche Grundlage in einem anfang- und endlosen Kreislauf, dem Sansara.

 

Die Welt, der Gott und der Mensch sind eine Summe von physischen und psychischen Erscheinungen in ständigem Fluß, wobei die vorhergehende die nachfolgende bestimmt. Jedes Wesen gleicht einer Flamme, die scheinbar eine Substanz, in Wirklichkeit aber ein stetig voranschreitender Verbrennungsprozeß ist. In der Summe der Erscheinungen (Körperlichkeit, Empfindungen, Vorstellungen, Gestaltungen, Bewußtsein) die ein Mensch nennt, bewirkt das Karma des abgeschlossenen Lebens die Art des neuen Daseins, das ein tierisches, menschliches oder göttliches sein kann. Diese ruhelose Aufeinanderfolge ist das große Leid der Welt, das Aufhören des Kreislaufs ist die Ruhe des Nirvana1.

 

Die "vier edlen Wahrheiten:"Den Weg zum Nirvana will der Buddha, so wie er ihn selbst gegangen ist, auch seinen Jüngern lehren. Es ist ein Mittelweg zwischen dem Weg der weltlichen Menschen und dem Weg der sich kasteienden Asketen. So verkündet er, zum ersten Male in der Benares-Predigt, die "vier edlen Wahrheiten2". Es sind die folgenden:

1) Die Wahrheit vom Leid: Alles Dasein ist Leiden3.

2) Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens: Aus der Unwissenheit als letztem Grund entstehen die Lebensäußerungen, als verhängnisvollste der Durst, d.h. das Haften am Dasein.

3) Die Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Das Aufhören der Lebensäußerungen, namentlich des Durstes, führt zum Ziel.

4) Die Wahrheit vom Weg der Aufhebung des Leidens: Auf dem edlen achtteiligen Pfad führt der Weg zur Erlösung: Rechte Einsicht, rechtes Wollen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sichversenken.

 

Unter den Lebensregeln finden sich Anleitungen zum sittlichen Handeln, die auf dem Wege voranhelfen; so wird vor allem das Wohlwollen empfohlen. Da aber auch Freude und Liebe und alle guten Handlungen Karma hinterlassen und zu einem neuen Dasein zwingen, sind sie auf den höheren Stufen zu meiden. Der Weise verharrt in völlig seelischer Untätigkeit. Der Weg Buddhas bedeutet ein Selbsterlösung ohne göttliche Hilfe, ohne selbstlose Menschenliebe, ohne Tugendübung. Nur die wenigen, die sich zur völligen Weltflucht entschließen, können diesen Weg gehen.

 

Der ursprüngliche Buddhismus ist deshalb wesentlich ein Mönchsreligion. Genaue Vorschriften, die zum Teil von Buddha herrühen mögen, regeln das Leben der Mönche und der Mönchsgemeinde (Sanga).

 

Die Heilswege und ihr Ziel: Der Buddhismus wurde durch innere Spaltungen geschwächt. Mit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert begann in Nordindien eine Umwandlung, wodurch sich der Buddhismus klar in zwei Religionen spaltet: das Hinayana (Kleine Fahrzeug), das nur die wenigen Mönche zum Nirvana zu führen verspricht, und das Mahayana (Große Fahrzeug), das allen Menschen einen leichten Weg der Erlösung zeigen will. Die Entwicklung vollzieht sich unter dem Einfluß der alten Volksreligion und des Bhaktigedankens. Das Mahayana nähert sich der brahmanischen Religion und erleichterte die Aufsaugung durch dieselbe. Ein wichtiger Weg des Mahayana ist aber der des Vertrauens auf den Buddha und seine Lehre. Das Vertrauen (shraddha) auf den Buddha und seine Lehre fordert die ganze Person. So kann es von Tugenden und Selbstzucht begleitet, zur Erlösung führen. Das Erlösungsziel ist das Nirvana. Es wird in der Buddhaschaft erreicht, in der Erkenntnis des Illusionscharakters (Maya) des Sansara.

 

Im Mahayana ist es das Einswerden mit dem Absoluten, das einen andauernden Glückszustand mit sich bringt. Dies ist das Jenseits, und dieses Jenseits ist das Ziel aller derer, die im großen Fahrzeug zur Erlösung streben. Zum Jenseits des Nirvana führen alle "Fahrzeuge" im Buddhismus, zu einer Erlösung, über deren Beschaffenheit kein Wort möglich ist. Mit der Erlösung aber hat die Lehre ihr Ende.

 

Der freiwillige Verzicht auf Erlösung:

Die Bodhisattvas: In der neuen religiösen Richtung tritt Buddha als milder Gott vor uns. Man erhebt ihn zu einem einzigartigen göttlichen Wesen, dem Urbuddha, von dem ungezählte Ausstrahlungen erfolgen. Das sind die Dhyanabuddhas in der oberen Welt, sodann die Bodhisattvas, die Vollendeten, die auf das Nirvana verzichten, um den Menschen zu helfen, endlich die irdischen Buddhas, deren letzter Sakyamuni war. Der Grund hiervon ist das "Große Mitleid", das alle Bodhisattvas für die Wesen empfinden und das sie zur Tätigkeit für die Wesen treibt. Sie versuchen, die Leiden der Sansara auf sich zu ziehen, und umgekehrt ist es ihnen möglich, das durch ihre Verdienste gesammelte Karma auf andere zu übertragen. So sind die Bodhisattvas deutlicher Ausdruck für die Möglichkeit der Fremderlösung.

 

Der große Dhyanabuddha im gegenwärtigen Zeitalter ist Amitabha, der im Paradies des Westens thronende allbarmherzige Erlösergott, der alle, die ihn anrufen, selig macht. Der mächtige Bodhisattva der Gegenwart ist Avalokiteshvara4, der in seiner Hilfsbereitschaft auch vor Sünde und Höllenqual nicht zurückschreckt. Dazu finden die hinduistischen Götter Aufnahme in den Buddhismus.

 

Erzwungene Kastensystem in Nepal: Unter König Jayastathi Malla (1382-1395) wurden die Buddhisten unter Berufung auf die von Sankaracharya durchgeführten Maßnahmen, in ein rigoroses, neu geschaffenes Kastensystem eingegliedert. Außerdem wurde die Verwaltung und Jurisdiktion gestrafft. Man unterstellte, daß die unverheirateten Mönche ursprünglich aus der Bahun- (Brahmanen) oder Chettri- (Kshatriya) Kaste gekommen waren und nachdem sie gezwungen worden waren zur Heirat und Fortzupflanzung, sollten sie diesen Kasten weiter angehören. Zuunterst in dem hinduistischen Kastengefüge in Nepal stehen die unberührbaren Kasten, unter anderem die Kami (Schmiede), die Sarki (Schuster) und die Damai, die zwei Beschäftigungen ausüben: Sie sind Schneider und Musikanten. Die frühe Geschichte Nepals läßt Stämme, aber keine rigorose Kastenordnung erkennen.

 

Die Erlösung als das Ende des Strebens: Im Buddhismus redet man nicht nur von Wissen, das die Kausalität des Entstehens hebt sondern auch vom Nichtwissen, das die Bildung karmagestaltender Triebkräfte nach sich zieht. Die Triebkräfte sind die Urheber allen Strebens; da sie vom Nichtwissen freigesetzt wurden, bilden sie ein Bewußtsein aus, das sich dann im Einzelnen niederläßt. So kommt eine Individualität zustande, die nicht mehr ein leeres Bewußtsein trägt, sondern ein durch Eindrücke, Empfindungen, Bedürfnisse, Gier bzw. Streben angefülltes Organ.

 

Als Folge des Strebens tritt mit dem Lebenshang das karmische werden. Es realisiert sich als Wiedergeburt, und damit als Wiedereintritt in den Sansara, ins Dasein, ins Leid5. Das Streben ist das, was den Sansara bewegt und die Erlösung verhindert. Das Erlösungsstreben findet man auch im Hinduismus; hier wird das Streben selbst als Ursache des Leides erkannt. Das Streben nach guten Taten bewirkt eine bessere Wiedergeburt, nicht aber die Erlösung. Und Streben muß sich immer auf die Illusion des Ich richten, also auf das Nichtwissen. Läßt man diese Illusion als Wissender fallen, so erscheint die gesamte Welt des Samsara als eine Illusion. Im Durchschauen dieser Illusion (Maya) besteht die Erlösung, die in der völligen Aufgabe allen Strebens und der vollkommenen Ruhe des Geistes erreicht wird. Mit dem Verlöschen allen Strebens ist das Samsara überwunden.

 

Der Tod im Buddhismus: In den Himalayaregionen Nepals, wo die Bevölkerung überwiegend buddhistisch sind, findet man Manisteine und Chortens. Die Toten werden begraben und Chortens (Pukangs) als Denkmäler errichtet. Wenn ein Lama stirbt, dann muß ein anderer Lama das Feuerholz bei der Verbrennungszeremonie anzünden. Im Gegensatz zu dem hinduistischen Todesritual darf der Sohn des Verstorbenen die Todesreste seiner Eltern nicht anzünden.

 

Einer der wichtigsten Texte des tibetischen Buddhismus ist das Totenbuch "Bardo Thodol"6. Trotz seines Namens und der Tatsache, daß dieses Buch am Bett der Sterbenden von den Mönchen vorgelesen wird, ist es ein Buch des Lebens. Bardo heißt "Zwischenraum" (‘bar’ bedeutet zwischen, und ‘do’ heißt Insel ). Es ist nicht nur das Intervall des nachtodlichen Schwebezustandes, sondern vielmehr der Schwebezustand in der Situation des Lebens. Die Bardo-Erfahrung ist Teil unserer grundlegenden psychologischen Struktur. Dieses Buch erhält nicht nur eine Botschaft für jene, die bald sterben oder bereits gestorben sind, sondern auch eine Botschaft für jene, die bereits geboren sind.

 

Geburt und Tod widerfahren jedermann andauernd, genau in diesem Augenblick. Es besteht ein Konflikt zwischen dem Körper und dem Bewußtsein, und es gibt die dauernde Erfahrung von Tod und Geburt. Die Buddhisten in Nepal betrachten den Tod nicht als besonders unangenehme oder schwierige Situation. Der sterbende Mensch hat Anteil an seiner eigenen Festigkeit. Wenn man gefaßt ist, dann wird die Person im Bardo-Zustand automatisch davon angezogen. Mit anderen Worten: man sollte den sterbenden Menschen eine sehr geistes-gegenwärtige Situation präsentieren. Man sollte auf ihn eingehen, sich füreinander gegenseitig öffnen und das Zusammentreffen von zwei Seelen entwickeln.

 

Die Botschaft des Totenbuches ist folgende: Die Verwirrungen des Lebens werden durch die dualistische Sicht des Menschen verursacht. Indem er das Bardo Thodol aufmerksam liest oder hört, wird der Mensch befreit und in einem nicht-dualistischen Zustand versetzt, in dem sich die Verwirrungen in Weisheit umwandeln.

 

Im Mahayana Buddhismus gibt es die Lehre eines höchsten Gottes bzw. eines Ur-Prinzips, des Adi Buddha. Aus diesem entspringen die fünf Dhyani Buddhas, die als Verkörperung der fünf ursprünglichen Elemente, aus denen der Kosmos besteht, angesehen wurden. In der Regel werden die einzelnen Gottheiten mit der Miniaturfigur ihres jeweiligen Dhyani Buddha, aus dem sie emanierten, im Kopfschmuck gezeigt. Dabei werden die Bodhisattvas als Söhne der jeweiligen Dhyani Buddhas mit ihrem Buddha-Shaktis angesehen.

 

Obwohl die Erlösungswege von Hinduismus und Buddhismus verschieden sind, so gleichen sich die zwei Religionen in der Annahme des Sansara, die die Einmaligkeit des Lebens auf der Erde ablehnt und einen Kreislauf von Wiederbeburten setzt. Die ausgleichende Gerechtigkeit vollzieht sich selbst in der Qualität der Wiedergeburten. Im Christentum wird mit der Überzeugung der Einzigkeit des menschlichen Lebens auch die eines personalen, allmächtigen Gottes verbunden.

 

Während es für den Hindu keine einzige, fest umrissene, alleinseligmachende Wahrheit gibt, ist die Zuflucht zur Lehre für den Buddhisten unerlässlich.

 

 

1 Zustand jenseits von Sinneswahrnehmung und irdischem Bewußtsein im absoluten Sein. Im Buddhismus Ziel des Befreiungsstrebens nach Lösung aus dem Rade der Wiedergeburten (samsara). Bei Buddha bedeutet der Tod das Eingehen ins Nirvana und wird daher als Parinirvana bezeichnet.

2 Väth, Alfons: Die Inder, Herder Freiburg 1934 S. 20.

3 Dukkha: Pali

4 Avalokiteshvara: Der zu dem Transzendenten Buddha Amitabha und dem als Mensch inkarnierten Gautama Buddha gehörende Bodhisattva, als Allerbarmer und Retter aus allen Nöten angerufen, in 108 Aspekten, in Nepal identisch mit Macchendranath.

5 Sowohl in Hinduismus und Buddhismus ist das Grundproblem des Menschen das Leid (z.B. Krankheit). Ursache dieses Leids ist die Begierde (z.B. nach Gesundheit), dessen Wurzel wiederum die Illusion (Maya) ist. Überwunden werden kann das Leid also nicht durch Handeln. Was verlangt wird, ist eine Änderung der Einstellung d.h. die Loslösung.

6 Fremantle, Franziska, Trungpa, Chögyam: Das Totenbuch der Tibeter, Eugen Diederichs Verlag München 1991 S.34.

von satisshroff
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Montag, 14. januar 2008

Complementary and Modern Medicine: Strange Bedfellows? (Satis Shroff)

 

In the 80,000 hamlets of Nepal, there are over 400,000 shamans and traditional healers, who have to some extent acquired the basics of modern medical treatment through the Health Ministry.

 

The old tradition of the dhami-jhakri in which the fate of a person can be influenced by appeasing the spirits is still intact in Nepal. A séance provides the ill person a communication possibility depending the nature of the illness. For the spirits (Geister), be they rough or fine in their manifestations, belong to the everyday lives of the tradition-conscious Nepalese and many other ethnic-peoples in the northern and southern hemispheres of this globe.

 

Disease and conformity: The traditional healers of Nepal are not only versed in the nature of illnesses caused by spirits, demons, male and female witches, Gods and Goddesses, but also diseases which are in conformity with epidemiological studies and results. The usual diseases that are mentioned by traditional healers are: diarrhoea, coughs, pneumonia, heart-maladies, abdominal pain, pain in the joints and other less specific symptoms like: headaches, body pain, nausea etc. Other commonly mentioned diseases are: vomiting, worm-infections, pickles and boils, carbuncles, cases of goitre in the hills (think of the Himalaya salt ads in the west), different skin problems, tuberculosis, problems of the urinary tract and menstrual disorders and anomalies.

 

In the past the shamans were not allowed to get rich through healing, and the codex and ethics of the healers in the Himalayas were strict. Today, the Nepalese shaman blesses a life-saving electrolyte solution for the treatment of diarrhoea and dysentery. The shaman has become innovative in Nepal, and makes himself or herself socially useful by ritualising and selling anti-baby pills for a small financial commission. This way, he or she helps Family planning, which is supported by the government. The Nepalese government has raised the status of the shaman by bestowing an official title upon him: Practitioner of Traditional Medicine, with the condition that he or she take part in medical and hygiene courses. ‘Traditional’ sounds better than ‘complementary’ because shaman has a long tradition in Siberia, Nepal and others parts of the world.

 

Sociological view: The position of the shamans in the hamlets of Nepal is getting a certain amount of recognition and importance, because he or she gathers new experiences and acquires modern methods of healing, and in this way, the shaman uses a combination of traditional and modern medicine. From a sociological point of view, magico-religious healing plays a central and positive role. The magic and faith in the healing powers of the shaman helps to strengthen the group, tribe or caste by defining a common foe, and in identifying the evil, invisible spirit that has been causing illness. In this way, it is possible to control one’s own environment and the immediate neighbourhood and to influence it. Moreover, the healing ritual of the shaman late into the night helps to sublime difficult somatic Triebanspruche and to channel them in a socially acceptable and legal way, without being stigmatised in the society as being abnormal or an ill-person.

 

When you boil down the matter between traditional and modern medicine, belief is in the eye of the beholder. If modern medicine doesn’t help, complementary (traditional) therapy seems to do so, for instance in the case of people struggling with long-term pain. Whereas the physician is concerned with infections caused by fungi, bacteria and viruses, Nepal’s Dhamis, Bijuwas, Bong-things and shamans are concerned with spirits, demons, Gods and Goddesses and other invisible powers between Swarga (Heaven) and Prithvi (Earth). The people in Nepal still have faith in the practitioners of traditional medicine, despite the danger of being stigmatised as being superstitious, anachronistic and backward. The government has found out that even though Health Post have been set up, the people living in the foothills of the Himalayas (Mittelgebirge) still prefer ritual therapies from their shamans. The medically-trained traditional healers can reach millions of Nepalese through a well-developed strategy. Most of the Dhamis-Jhakris have shown that they are open to new skills in health, population and family-oriented basic knowledge. Moreover they were (and are) ready to give their acquired modern knowledge to their respective communities in their hamlets.

 

Humane and empathetic: The traditional healer not only cures with modern pharmaceuticals, but he or she imparts a cultural note to the therapy by blessing the medicine in a ritual through the recitation of mantras or prayer, which is indeed soft and humane, and the patient becomes a part of the ceremony, and isn’t left alone like in a hospital. Traditional (complementary) medicine has come to stay. It was there all the time in different continents, and is an expression of care, humane-treatment, softness (Sanftemedizin), dignity, respect and empathy for the ill person. These are values that have dwindled in modern medicine’s pursuit for rationalism, validity and science. Every time a patient enters a physician’s clinic, he or she feels uneasy that the clock is ticking away to his or her disadvantage. Time is money. More patients means more money for the physician and the health insurance company. That leaves little time and hope for the hapless, impatient patient.

 

The value of hope: The value of hope, which is an important resource in different cultures and among traditional healers, is lost in modern medicine. What was Florence Nightingale doing with her candle-light in the bedsides and stretchers of her wounded soldiers in the Crimean War? Was she giving them antibiotics, anti-viral drugs? No, she was giving these forlorn souls a precious medicine named hope. But is traditional medicine entirely based on hope? Certainly not. Traditional Chinese medicine, Tibetan medicine, and the Indian subcontinent’s Ayurvedic medicine, Unani medicine deploy among others pharmaceuticals botanical, zoological and mineral extracts to cure the illnesses of millions of people since time immemorial. So does modern medicine, which enjoys perfect packaging and marketing and ads through the media. It’s the catchy, convincing-sounding ad that makes people rush to the apothecary to buy the pharmaceutical product that they’ve seen in TV or have heard about from their relatives and friends, as is mostly the case in the layman’s aetiology.

 

Modern medicine is a science because its experiments can be reproduced, it is systematic and can adjust itself in combating new bacteria, viruses and other disease causing microbes. But traditional or complementary medicine is also learning new methods of treatment and hospital hygiene.

 

Alone in 1980 Dr. Badri Raj Pandey et al trained more than 1000 traditional healers (Dhamis-Jhakris) in Nepal under the Family Planning and Maternal Child Health Project (MCHP). Since there are more traditional healers than physicians and paramedical personnel, the traditional healers are an important resource for the family planning and health organisations in Nepal. This study has revealed that the traditional healers play an important role. They have a functional network and they aren’t s so expensive as medical doctors. The traditional healers are always ready to visit their patients, even though it means walking through the better part of the day to treat the patients. Physicians are reluctant to walk four to six hours to their impoverished patients, and they’d rather be paid in currency notes rather than with eggs, vegetables, or a little red rooster.

 

School medicine has to win the traditional healer as a resource and ally, and not as concurrence, for the common aim of traditional and modern medicine is to free the individual from his or her illness, and provide an efficient and honest cure. The wellness and recuperation of the patient should be the common goal and not rivalry. This target was fixed by the Nepalese government and the shamans are now treated with respect, asked for assistance and requested to take part in therapy-workshops and medical training projects. Such workshops were held in: Kanchanpur, Chandani municipality, Mahendranagar, Syangja and Ilam in the past. It was explained that the project as such didn’t have any intention to influence the healing methods or beliefs of the tribal shamans. The participating shamans learned how to motivate the people of their respective communities, family-planning and other health-promoting measures.

 

Causality and logic: The shaman can differentiate the principle of causality and logical thinking and communication. The shaman manifests religion and the art of healing as a coexistence form, and is open for new healing methods if it helps the patient. Likewise, there is a trend on the part of physicians and psychotherapists to take on the shaman’s healing methods. And to this end, there are universities that are training therapists through the use of modern and traditional medicine by inviting and bringing together traditional healers and modern therapists, medical and nursing students and physicians.

 

Education as Intercultural therapist for 1269 Euro: Two German two universities in Heidelberg and Munich have established themselves in the service of traditional and modern medicine by offering workshops and seminars by bringing practitioners of Traditional and Modern Medicine together. It is a marriage between the two systems of medicine.

An advanced international, intercultural and interdisplinary education as a therapist in Medican Anthropology is being made possible from 12th till 19th October 2007 by the Institute of Ethnomedizin and it costs 1269 euros. You can join the program at any stage. It is a global path for health and healing and is organised by the Ludwig-Maximilians-Universität Munich. The program makes it possible for western therapists to take part in a lively dialogue with authentic indigenous healers, shamans, and teachers from all over the world.

For those interested in ritual healing methods in the world a seminar was organized by the Südasien Institute, Heidelberg, Dept. of Ethnology from 12.-16.March 2007. The program was available under: www.sai.uni-heidelberg.de/abt/ETHNO/forschung/springschool.htm.How does ritual healing work and what can we learn from it? Can and should ritual healing be publicly integrated in the Heath Services? These were the themes of the one-week seminar which showed the detailed and extensive field research among the ritual healers in Tibet, India, Indonesia, Kenia and Latin America.

 

Another program organized this time by the Institute for Ethnology has a number of well-known Nepalese shamans like Maile Ngema Lama 50, was beckoned by the ancestors of the shamans at the age of 8 and was initiated into the art of healing. She grew up in a Tamang hamlet which belonged to the Tibetan language group and began to practice shamanism at the age of 11. Today she's 50 years old and is well-known in Nepal for her healing profession.
Mohan Rai, director of Shaman Studies and Research Centre in Kathmandu, is a central personality of shaman culture in the Himalayas. He is 68, comes from the border area of Nepal-Bhutan and belongs to the Mongol folk of Rai and Kirati. His father was a famous Kirati Schaman. He speaks more than ten languages.


Parvati Rai, Nepal, a female Kirati Schaman and practices since 45 years. Parvati worships Nature, like all Kirat-folk. Among the Kirats the shaman plays a central role in the society from birth till death. Parvati Rai received her initiation when she was nine years old and became a shaman at the age of 16, lives in Kathmandu and works as a shaman for the Kirat Society and supports the Kirat Foundation through her work. She married at the age of 15 and has four kids.

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About the Author: Satis Shroff is a writer and poet based in Freiburg (poems, fiction, non-fiction) who also writes on ethno-medical, culture-ethnological themes.He writes regularly for The American Chronicle (www.Amchron.com), and is a contributing writer on www.boloji.com, www.wordpress.com and also Blog.ch. He has studied Zoology and Botany in Nepal, Medicine and Social Science in Germany and Creative Writing in Freiburg and Manchester. He describes himself as a mediator between western and eastern cultures and sees his future as a writer and poet. Satis Shroff was awarded the German Academic Exchange Prize. He is a lecturer in Basle (Switzerland).

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Montag, 14. januar 2008

Nur Sagarmatha weiß es (Satis Shroff)

 

Der Sherpa stapft durch die Schnee

Keucht und Kämpft

Und bereitet den Weg

Mit Fixierseil, Leitern,

Haken und Spikes vor,

Und sagt: „Folgen Sie mir, Sir.“

 

Letzte Saison war es ein Tiroler, ein Tokyoter

Und ein Gentleman von Vienna.

Diesmal ist es ein Sahib aus Bolognia,

Mit Gesundheitsversicherung

Und Lebensversicherung,

Bewaffnet mit Kreditkarten und Stolz,

Stürmen Sie die Himalaya Gipfeln,

Mit der Hilfe von Nepalis.

 

Hillary nahm Tenzings Bild auf.

Ach, die Zeiten haben sich geändert.

Für den Sahib ist es pure Eitelkeit,

Für den Sherpa krasse Existenzkampf.

 

Durch stürmische Wetter und der Sherpas

Können und schaffen am vorherigen Tag,

Nimmt der Sahib einen kräftigen Zug Sauerstoff,

Er denkt laut im Basislager:

„Die Sherpas können eh nicht kommunizieren,

Die sind des Schreibens und Lesens

Unkundig zu der Außenwelt.“

 

Der Sahib täuscht Krankheit und klettert runter.

 

Und macht ein Solo Klettern am nächsten Tag.

Und so wächst die Legende

Von der Sahib auf dem Gipfel.

Ein Digitalfoto geht rund um die Welt

Ohne Sherpa,

Ohne Sauerstoff,

Ohne Amphetamine.

 

War es ein faires Verhalten?

Nur Sagarmatha weiß es

Nur Sagarmatha weiß es.

von satisshroff
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Montag, 14. januar 2008

 

The Loss of Mental Metamorphosis (Satis Shroff)

 

Eight Indians on the run,

Fifty Neonazis behind them.

'Deutschland den Deutschen,

Ausländer raus!

Hier regiert der nationale Widerstand!'

Roars from the throats of the Neos,

Beer in their blood,

Defiance in their sanguine eyes.

 

The puls races,

Adrenalin surges in the veins:

Fight or flight.

Naked angst.

Hyperventilation,

Tachycardy.

No one helps,

They just look on,

Like Bertold Brecht would say.

As the Jews were beated and transported,

To Auschwitz, Gürs or alsewhere.

The Indians run as fast

As their legs can carry them.

'Jaldi bhago!

Zindagi bachau!

 

The bald headed, overfed, pink Neos

Overrun the scared Indians.

What follows is the bashing

Of the underdogs in the German society.

Of migrants who love Deutschland.

Their only crime,

The colour of their complexion.

The police of Saxony's Mügeln come,

But are hesistant about the xenophobia

That has broken out.

The rightists agitate conspiratively,

Said the Verfassungsschutz in 2006.

 

In Mügeln

Akin to Hoyerswerda and Mölln.

The ethnic Germans peer and look away

At the brutality and intolerance

Unfurling before their eyes.

The teuro, the joblessness in the East

Has made them indifferent and complacent.

 

Give us more money to integrate the Neos,

In families, schools, communities,

Say some politicians.

Federalism and democracy is not inaction,

Where intolerance and racism rears its ugly head.

It happens from Mügeln to Mainz.

Anti-discrimination laws alone

Help neither the Wessies nor the Ossies.

A mental metamorphosis is in demand.

Have we Germans learned from history?

Haben wir, die Bürger, aus der Geschichte gelernt?

Alas, we've become complacent again.

 

Germany, Austria and Switzerland

Are striving for an European cultural identity,

Where foreign traditions and culture

Are the essence of togetherness,

Of Miteinander.

The enclaves of intolerance should remain

Ghosts of the past.

Liberalism, democracy, civilisation and society

Should be the order of the day.

Mental changes in our thinking processes,

Not mental molotovs,

Should be the cry of the day.

 

 

MENTAL MOLOTOVS (Satis Shroff)

 

When Hoyerswerda burns

They discuss about the asylum-seekers.

Peaceful, righteous Germans go

In the streets with candles.

 

When a house burns in Mölln

They discuss about bringing back

Soldiers from the dangers of Somalia.

 

At the Turkish funeral in Solingen

The Chancellor keeps away

And avoids thus

Rotten eggs and tomatoes

That might come his way.

 

When the trial comes

The former skinhead neonazi

Has a lot of hair.

He wears a two-piece suit,

Ties a tie around his neck

And looks oh-so-respectable.

He peers into the cameras

With clear blue eyes and says:

"I'm innocent and a victim

Of the modern industrial society."

And withdraws his statement.

 

The judges are lenient,

And the neo gets off on bail,

Gestures with his middle finger

And quips: "Leck mich am Arsch!"

As he speeds away in a car

Only to reappear with a Molotov

Like the Sphinx again.

 

"Ausländer Raus!

Deutschland den Deutschen!"

These are the slogans

Still making the rounds in 2006.

 

The old black and white flag

From the Third Reich

Raises no eyebrows

At soccer stadiums, streets and pubs.

 

It's fashionable again

To throw mental Molotovs

At blacks, browns, yellows,

And all non-Teutonics

At cocktails, chats

Stammtisch and in the streets

Against anything alien.

 

I don't like foreigners

I'll kill you,’ says a drunk

In broad daylight at the local Bahnhof.

Bharati Mukerjee a New Yorker writer

Once asked me in Freiburg:

 

'How does it feel

To be a non-Teutonic

In Germany?'

 

 

LAST TRAM TO LITTENWEILER (Satis Shroff)

 

Midnight at Bertold's Brunen,

I boarded the last tram to Littenweiler.

Tired young people, school-kids

Disco, tavern, cinema and theatre visitors.

I sat opposite a blond German

And read Hanif Kureshi's "London Kills Me".

 

A short African, a Bantu in jeans

Came, stood and turned his back.

An elderly, thick-set German skin-head

Covered with a cap and walkman,

Walked in with a sardonic laughter

Boisterous, obnoxious and high on alcohol.

 

The world was his stage.

He glared with his stone-blue eyes

At the African in the corner and said:

"This Boy is in the wrong place here.

Finish him off with a Kalashnikov

Rat-tat-a-tat! You'll see it soon

Wir werden es euch zeigen!"

 

The proud German in Bermudas

Laughed like a madman.

Our Teutonic Hero was not in the psychiatric ward

But in a crowded public strassenbahn.

A so-called civilized German

Grown angry, wild and inhuman.

What had he poor African done?

He'd asked perhaps for asylum

Or was perhaps a scholarship-holder

At the invitation of the German government.

 

The tram was full

But not a sound of protest was heard.

A silence that appeared like death.

Silence was consent.

Or was it angst?

 

The tram reached the Stadthalle

And the German became nastier.

Where was the civil courage of the Freiburger?

What was the use of buttons:

Jeder ist ein Ausländer?’

What were silent protest marches

Worth the next day?

Why light candles to mourn a dead alien?

Silent, passive witnesses to new tragedies.

Akin to the horrid infernos

Of Hoyerswerda, Mölln and Solingen.

Every time I hold a fork and knife

At breakfast, lunch and dinner

I'm reminded of the shame of Solingen.

 

The loud-mouthed skinhead identified himself

With a wrong pride, pomp and glory.

A glory that cost 40 million lives

A spirit of plunder and murder

On helpless, disabled, gypsies and Jews.

The Jews have left for safer shores

And now the new-Jews are the foreigners.

 

As the tram reached the Lassberg Terminal

The bald-headed German swayed

And uttered loud and clearly:

"I LOVE MY FATHERLAND!"

Not once, but thrice.

He went reeling to a waiting bus

With his Vaterland's repertoire.

A country where the dead have fear

Where the alien's agony and angst abides

Quo vadis, Deutschland?

von satisshroff
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